Die Anti-Atom-Bewegung in Belgien

Belgien lieferte Uran von seinen Kongo-Kolonien an die USA zur Herstellung der Bomben auf Hiroshima und Nagasaki, zwei der schrecklichsten Kriegsverbrechen.
Zur Entschädigung investierte Westinghouse in eine Forschungseinrichtung in Mol.
Eine kleine Anti-Atom-Bewegung war dagegen, aber viele der Beteiligten waren stark von Moskau abhängig. Damit waren sie sehr isoliert. Das war die erste Welle.

Ende der 60er Jahre gab es einen jährlichen Anti-Atommarsch in Brüssel. Viele junge Menschen aus verschiedenen Ländern marschierten mit. Die größte Demo hatte mehr als 10tausend Teilnehmer, die gegen die stationierten US-Atombomben in Belgien demonstrierten. Das war die zweite Welle, getragen durch radikalisierte Jugendliche.
Zu Beginn der Siebziger wurden die ersten AKWs gebaut. Es gab verschieden grosse Demos dagegen. Die Argumente sind noch immer dieselben: Das grosse Risiko und eine ungeklärte Entlagerung. Diese dritte Welle wurde getragen von Grünen.
Es gab eine neue Bewegung nach der Tschernobyl-Katastrophe im Jahr 1986. Die belgischen Grünen, Ecolo und Groen, schrieben 1999 den Ausstieg aus der Atomkraft in einem Regierungsabkommen fest, aber sie organisierten keine großen Demonstrationen. Einige spektakuläre Aktionen wurden noch durch Greenpeace organisiert, durch eine kleine Gruppe von Aktivisten. Jedes Jahr gibt es ein von Pazifisten organisiertes „Bombspotting“ in Kleine-Brogel gegen die durch die USA stationierten Atombomben.
Das Regierungsabkommen von 2003 beinhaltete ein schlechtes Ausstiegsgesetz. Einerseits gab es ein sogenanntes definitives Ausstiegsdatum, aber es gab auch 10 Jahre mehr Restlaufzeit. Die ersten AKWs, aus dem Jahr 1975 würden gar erst 2015 geschlossen, an ihrem 40 Geburtstag! Und Electrabel, heute Suez-Electrabel hatte und hat noch immer eine Quasi-Monopolstellung in der Energieproduktion in Belgien. Für Electrabel war es so sehr einfach Investitionen in andere Energieformen zu behindern. Dieses Regierungsabkommen war das Ende der vierten Welle.

Diese neue Welle, Welle 5 hat ihren Impuls aus der Klimabewegung, einige Monate vor der schrecklichen Katastrophe von Fukushima. Die Klimabewegung in Belgien ist teilweise organisiert im Netzwerk „Klima und Soziale Gerechtigkeit“.
Als wir merkten, dass unser Kampf gegen Treibhausgase missbraucht wird, um eine Laufzeitverlängerung der AKWs um weitere 10 Jahre zu erreichen, begannen wir gemeinsam mit Friends of the Earth, jedoch ohne die Hilfe von Greenpeace, ohne WWF und ohne Ecolo den Widerstand zu organisieren und veranstalteten erste Demonstrationen. Dann gab es die Katastrophe am 11. März 2011 die unseren Kampf sehr aktuell gemacht hat. Aber die grossen Umweltorganisationen wollten immer noch nicht mobilisieren. Wir waren rund 1500 Personen auf der Demo. Dann haben wir mit Friends of the Earth, einer wachstumskritischen Bewegung ein neues Netzwerk gegründet, mit einer ersten Aktion in Lüttich vor zwei Wochen.

 

Für uns ist klar, wenn man uns fragt, ob wir Frau Merkels oder Herrn Sarkozys Beispiel folgen wollen: Natürlich folgen wir Sarkozy nicht, er verteidigt eine Vision aus vergangenen Zeiten. Aber, der völlige Atomausstieg wird auch in Frankreich stattfinden.

Aber wir wollen auch nicht, wie Frau Merkel zurück zum fossilen Wahnsinn. Die Verwendung von Kohle, Öl oder Braunkohle zur Energieerzeugung wird das Klima vernichten und die Umwelt von uns Menschen in Gefahr bringen und uns in Armut stürzen. Diese Schlussfolgerung ist für uns als Klimaschützer ganz einfach.

Unsere Forderung ist: Raus aus dem fossil-nuklearen Wahn, 100% erneuerbare Energie schnellstmöglich!

Das können wir realisieren durch Stoppen von Energieverschwendung, durch eine wesentlich stärkere Dämmung unserer Gebäude, durch die Erhöhung der Energieeffizienz, und durch das Durchbrechen der Wachstumszwänge unserer Gesellschaft.

Die ökologische Frage ist eng verbunden mit der sozialen Frage. Steigende Energiepreise dürfen nicht zu «Energiearmut» bei denjenigen führen, die ohnehin am wenigsten verbrauchen.

Wir alle müssen die Kontrolle über die Energieproduktion und Verteilung wieder in die eigenen Hände nehmen. Demokratie bedeutet, dass wir die wichtigsten Entscheidungen über unser Leben gemeinsam und ohne Profitzwang treffen können.

So wollen wir eine Anti-Atom-Bewegung in Belgien aufbauen. Wir wissen das Atomkatastrophen keine Grenzen haben. Dann darf der Widerstand auch keine Grenze haben! So möchte ich Sie fragen, ob Sie bereit sind gemeinsam mit uns im September am AKW in Tihange zu demonstrieren? Heben Sie Ihre Hand wenn Sie kommen werden!

Vielen Dank ! Und Vorwärts, zusammen.

Louis Verheyden, Aachen 20.06.2011

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