Fracking verbieten – Offener Brief an die Aachener MdBs von SPD und CDU

Fracking

Quelle: NABU

Sehr geehrte Frau Vizepräsidentin Schmidt,
sehr geehrter Herr Abgeordneter Henke,

anlässlich der morgen (7. Mai) beginnenden Beratungen des von der Bundesregierung am 1. April vorgelegten Gesetzespaketes zum Fracking bitten wir Sie dringend, diesem in seiner jetzigen Form die Zustimmung zu verweigern!

Anders als von der Bundesregierung behauptet, führt der Kabinettsbeschluss der großen Koalition nicht zum hinreichenden Schutz von Mensch, Natur und Grundwasser. Das als Fracking-Verbot postulierte Gesetz entspricht einem Genehmigungsverfahren, das Fracking in einem großen Teil der Bundesrepublik Deutschland ermöglichen wird, insbesondere in Nordrhein-Westfalen und in unserer Region!

Fracking ist aus unserer Sicht kein Schritt in die richtige Richtung, da es zu einer Umkehr der Energiewende führen und damit den bisherigen Fortschritt und die bisher erreichten Ziele im Bereich der regenerativen Energien gefährden würde.

Die großen Mengen an klimaschädlichem Methangas, die beim Fracking in den USA gemessen wurden, würden alle selbst auferlegten Ziele bei der Minderung des CO2- Ausstoßes sinnlos machen. Methan ist bis zu 40 fach klimaschädlicher als Kohlenstoffdioxid.

Dazu kommt noch die geringe Menge an Schiefergasvorkommen in Deutschland, die für maximal 13 Jahre angeblich preiswertes Gas liefern würden. Angeblich, weil die Folgekosten für Gesundheit, Böden, Grund- und Trinkwasser der Allgemeinheit aufgebürdet würden.

In Aachen stehen wir zudem noch vor einem besonderen Problem, das mit dem neuen Gesetzesentwurf in keiner Weise bedacht wurde.

In Aachen und Umgebung leben wir in einem seismologisch aktiven Gebiet und die Gefahr, dass durch Fracking Erdbeben ausgelöst werden könnten, wird durch wissenschaftliche Probebohrungen nicht entkräftet werden können. Dieser Aspekt wird aus unserer Sicht im neuen Frackinggesetz überhaupt nicht berücksichtigt.

Erprobungsmaßnahmen sind aus unserer Sicht nicht zielführend, weil die Erkenntnisse aufgrund der unterschiedlichen Beschaffenheit des Untergrundes nicht von einem auf andere Bohrstandorte übertragbar sind. Jede Erprobung würde damit zu einem neuen Test- und Experimentierfeld.

Die Wintershall Konsulting GmbH hat sich im nördlichen Stadtgebiet der Stadt Aachen (Laurensberg und Richterich) sowie in den nördlich angrenzenden Kreisen bereits alle Schürfrechte gesichert und diese auch schon in den Bebauungsplänen eintragen lassen.

Würde das Gesetzespaket in der vorliegenden Form verabschiedet, könnten die ersten Probebohrungen zu wissenschaftliche Zwecken oberhalb von 300 m direkt beantragt werden. Viele Aachener Bürger fürchten sich vor Erdbeben und sind in Sorge um unsere Thermalquellen, die für die Stadt Aachen von besonderer Bedeutung sind.

Die vorgesehene Expertenkommission sollte aus unserer Sicht gehört, aber nicht am Genehmigungsverfahren beteiligt werden. Die Genehmigungen sollten von einer Behörde erteilt werden, die unabhängig und dem Gemeinwohl verpflichtet ist; aber nicht von Experten, die ein direktes Interesse am Ausgang der Probebohrungen haben. Sinnvolle Behörden wären hier die Wasserbehörden. Sollte Ihnen wirklich am Schutz unseres Grundwassers gelegen sein, so können nur die dafür zuständigen und erfahrenen und aus diesem Grunde eingerichteten Wasserbehörden diesen Schutz gewährleisten. Wir sehen in der Einrichtung dieser Expertenkommission weder den Sinn noch den Vorteil oder die Legitimation.

Darüber hinaus sollten die Länder und Kommunen ein Einspruchsrecht erhalten, da sie die besonderen Gegebenheiten vor Ort besser einschätzen können, wie es in dem besonderen Fall von Aachen und Umgebung deutlich wird.

Mit dem jetzt vorliegenden Regelungspaket wird die grundlegende Forderung der Umweltschutzverbände nach einem Verbot des Frackings zur Gewinnung von Erdgas und Erdöl nicht erfüllt. Auch eine Mindesttiefe oder ein Mindestabstand zwischen Grundwasser und erzeugten Rissen ist nicht vorgesehen. Fracking in Erdöl- oder Tight-Gas-Lagerstätten soll unabhängig von der Tiefe nicht verboten werden. Fracking in Schiefergaslagerstätten bleibt unterhalb von 3.000 m Tiefe uneingeschränkt zulässig. Oberhalb von 3.000 m bleibt es für Erprobungsmaßnahmen uneingeschränkt zulässig. Das für die kommerzielle Gewinnung vorgesehene Verbot von Fracking in Schiefer- und Kohleflözgaslagerstätten oberhalb von 3.000 m kann durch das Votum einer Expertenkommission überwunden werden.

Die Umweltverbände fordern ferner ein klares Verbot der Einleitung von Lagerstättenwasser in den Untergrund.

Neueste Studien aus den USA zeigen, dass es einen Aufstieg von Fracking-Chemikalien durch Kapillarkräfte im Boden gab, die bis zu 600m betrugen. Wenn man bedenkt, dass das sogenannte Lagerstättenwasser im Boden entsorgt werden soll, so erscheint uns ein Aufstieg über eine noch

größere Distanz wahrscheinlicher, da es bisher noch keine Langzeitstudien dazu geben kann.

Die Entsorgung des Lagerstättenwassers sollte zudem geklärt werden, bevor eine Genehmigung erfolgen kann. Wir sollten den Fehler, den es bei den Genehmigungsverfahren der Atomkraftwerke gab, nicht wiederholen.

Die Gefahr für unser Trinkwasser besteht darüber hinaus nicht nur durch die Einleitung von Chemikalien in den Boden. Wasser ist ein sehr gutes Lösungsmittel und löst natürlich auch alle möglichen Stoffe aus dem Gestein, durch das es gepresst wird. Die Zusammensetzung des Lagerstättenwassers ist damit nicht vorhersehbar und stellt für Grund- und Oberflächenwasser eine große Gefährdung dar.

BUND Aachen, Dorothea Schubert

NABU Aachen e.V., Claus Mayr

Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie, Jörg Schellenberg

Christine Horres, http://fracking.horres.net/

Weitere Informationen: http://www.nabu.de/frackingfrei

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