Frankreich – Atom – Widerstand

Gegen den Willen des Volkes wurde das riesige französische Atomprogramm in den 70er Jahren mit extremer Staatsgewalt durchgesetzt:

Als ca. 55000 Menschen aus Frankreich, sowie etwa 5000 aus Deutschland, der Schweiz, den Beneluxländern und Italien versuchten, den Bauplatz des, bei MALVILLE, Dep. Isère, Nähe Lyon, geplanten, Schnellen Brüters – erklärtermaßen friedlich – zu besetzen, zog der Staat alle Register: vom Eröffnen alter nationalistischer Fässer gegen die bösen Deutschen, die hier schon wieder (auf Einladung der örtlichen Bürgerinitatiativen!) besetzen kämen, bis zum Einsatz von Sprengstoffgranaten, durch die ein Demonstrationsteilnehmer starb und 2 Gliedmaßen verlor.

(Zu der Zeit war der Karlspreisträger von 2003, Giscard d’Estaing, Präsident, der jetzige Karlspreisträger sein Berater…)

Ein Übriges tat dann 1980 Francois Mitterands (Karlspreistrager zus.mit H.Kohl…) Wahlversprechen, keine neuen Reaktoren zu bauen. Damit wurde er Präsident und brach es prompt. Außer in der Bretagne, in Plogoff, wo der Widerstand zu kämpferisch und zu breit war.

Die Monopolgesellschaft „Electricité de France“ EdF, tat alles, um künstlich den Atom-Stromverbrauch zu erhöhen: so wurden Hochhaussiedlungen mit Strom beheizt, was bekanntlich die energieverschwenderischste Art des Heizens ist.

Im April/Mai 1986 behaupteten französische Behörden, die radioaktive Tschernobylwolke sei an der deutsch-französischen Grenze stehengeblieben. Die durch mangelnde Warnungen in Frankreich entstandenen Gesundheitsschäden wurden jetzt durch www.sortir-du-nucléaire.org und die Vereinigung der Schilddrüsenkranken angeprangert.

Gegen den Bau neuer, angeblich sicherer, Reaktoren (EPR, mit deutscher – auch JülicherFZ – Beteiligung entwickelt) protestieren etwa seit 2000 viele, im Netzwerk: „Sortir du nucléaire“ (=Atomausstieg) zusammengeschlossene Gruppen aus ganz Frankreich. 2007 brachten sie in mehreren regionalen Demonstrationen etwa 30000 Menschen zusammen. Seit der Katastrophe in Japan und zum 25.Jahrestag von der in Tschernobyl hat das Netzwerk zahlreiche größere und kleinere Aktionen durchgeführt und Presserklärungen herausgegeben, zumBeispiel: zur Unsicherheit der französischen Reaktoren.

Zu den, dort erwähnten ältesten, gehören auch die älteren belgischen Reaktoren , in Tihange (65km v. AC) und Doel, die auch von der französichen Framatome errichtet wurden. In den, um 1980 in Betrieb gegangenen Blöcken, sind Risse in der Rostschutzplattierung des inneren, hochradioaktiven Kühlkreislaufes, die für eine Reparatur unzugänglich sind. Auch der elsässische Reaktor Fessenheim 2 hat solche Risse und liegt ebenso am Oberrheingraben auf einer Erbebenzone wie Tihange an der Maas auf der „Faille du Midi“), die beide in historischer Zeit erhebliche Beben aufzuweisen haben (Verviers 1692).

Am Oberrhein fordern schon in allen 3 Ländern auch viele „Offizielle“ die Stillegung:

drei Schweizer Kantone Basel-Stadt, Basel-Land und Jura,die französische Region Franche-Comté, die Städte Freiburg, Müllheim, Straßburg, Badenweiler

Straßburg für Stilllegung von Fessenheim

Der Stadtrat von Aachen hat wegen der 3 Tihange-Reaktoren schon 2009 eine ähnliche Erklärung verabschiedet, was die Preisverleihung an einen der beteiligten am französischen Atomprogramm nicht beeinträchtigt zu haben scheint. (Die belgische Betreibergesellschaft, Electrabel, ist von „Suez/Gas de France“ übrigens geschluckt worden…)

Ein Beispiel für die Unfallträchtigkeit der Uralt-AKWs: Taz vom 8.4.11:- (Fessenheim ist jünger als Tihange I)

„Der BUND wies am Freitag in einem offenen Brief an das Freiburger Regierungspräsidium darauf hin, dass am Morgen nach der Panne östlich und nördlich von Fessenheim an Messstellen des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) erhöhte Werte festgestellt worden seien.

Der lokale Anstieg der so genannten Ortsdosisleistung (ODL) habe je nach Meereshöhe zwischen 20 und 45 Prozent betragen. Dies sei auf der Internet-Seite des BfS nachzuprüfen. Sollte der Störfall von Fessenheim zu einer Freisetzung radioaktiven Materials geführt haben, müsse die Öffentlichkeit informiert werden, forderte die Umweltschutzorganisation.“

Die jüngsten Störfälle in Tihange und Doel am Montag früh, bei denen durch ein schadhaftes Ventil mit großem Krach, der die Anwohner vor die Türen trieb eine riesige Dampfwolke entwich bzw, wegen eines Kurzschlusses Mitarbeiter kurzzeitig evakuiert werden mußten, sollen ja wie üblich, harmlos gewesen sein. Wer aber mißt die Strahlung bei Tihange, wer informiert hier? Die Aachener Behörden haben sich in mehreren Anfragen durch den Solarenergieförderverein der letzten Wochen, was im Falle einer Katastrophe in Tihange hier zu tun sei, als komplett unfähig gezeigt. (Beim Preisverleihen sind sie wohl eher in ihrem Element…)

Lassen wir uns jedenfalles nicht vormachen, man befürworte die Atomenergie überall, nur nicht in Deutschland! Ob auf www.sortirdunucleaire.orgoder auf www.schoongenoegvankernenergie.nl – überall steht, daß der Fortschritt der erneuerbaren Energieen z.B.in Deutschland, beweist, daß ein Industrieland sehr wohl auf Atomenergie verzichten kann. (Was natürlich nicht heißen darf, daß es ansonsten so weitermachen soll, wie bisher!) Uns ist der Anteil der Erneuerbaren hier noch viel zu gering, aber er ist ein Anfang und schnellstens zu vergrößern! Und übrigens: Österreich verzichtet – durch Volksabstimmeung seit 1979 auf Atomenergie, sowie auch Italien, Dänemark und Luxemburg. Ob die Niederlande aussteigen oder gar neue AKWs bauen werden, hängt auch von unserer Solidarität mit ab. Deutschland und die Niederlande können sofort abschalten, dank ihrer Stromüberkapazität (zur Zeit laufen nur 4 AKWsin D und das uralte Borssele mit 450 MW in NL). In Frankreich und Belgien ist es schwieriger, aber Ausstiegskonzepte sind da und müssen „nur“ durchgesetzt werden.

Strahlung kennt keine Grenzen, Widerstand auch nicht!
Le nucléaire ne connait pas de frontieres, notre résistance non plus!

Beitrag auf der Mahnwache am 30. Mai 2011 von Martina Haase

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