Sekt oder Selters?

Heute verkünden unsere Herrschenden ihre Entscheidung zur weiteren Handhabung der Atomtechnik in D. Einiges ist schon bekannt, anderes werden wir heute erstmals hören – und manche Sauerei wird dabei erst in einigen Tagen bekannt werden.

Die Herrschenden in Deutschland haben offensichtlich Angst vor der Anti-Atombewegung! DESHALB – und nicht weil sie „verstanden“ haben – wurden die 7 AKWs in D abgeschaltet! Wegen der in Frankreich leider schwachen Anti-Atombewegung ist dort bisher kein AKW abgeschaltet worden.

Diesen Erfolg von „30-Jahren-deutscher Anti-Atomkraft-Bewegung müssen wir feiern und hochleben lassen.

Bisher ist es ja so, dass die Anti-Atom-Bewegungen ihre Erfolge viel zu wenig feiert. Mit dieser Tradition sollten wir ganz bewusst brechen.

Deshalb trinke ich hier ein Glas Sekt – zwar alleine – aber dafür auf UNS alle!

Es kommt für uns AKW-GegnerInnen noch besser:

Nach der neuesten ForsaUmfrage wollen 56 Prozent der Bevölkerung einenvollständigen Atomausstieg bis 2016 oder früher. Die Mehrheit will also einen schnelleren Ausstieg, als ihn selbst die Grünen fordern (2017) – aber in keinem Fall den Weiterbetrieb der letzten AKW bis 2022.

Soweit zum Sekt-Anteil meiner Rede

Jetzt kommt leider auch noch der Selters-Anteil

Die Herrschenden haben die 7 AKWs (die teilweise sowieso schon wegen div. Mängel stillstanden) der Anti-Atombewegung geopfert, damit wir endlich wieder Ruhe geben sollen.

Aber Vorsicht: dieses Bauernopfer ist vergiftet!

  1. Nach dem aktuellen Plan der Regierung sollen bis 2017 – das ist das Jahr, in dem nach grüner Vorstellung das letzte AKW vom Netz gehen soll, nur zwei von neun verbleibenden Reaktoren stillgelegt werden.Sieben laufen weiter, sechs davon noch vier oder fünf Jahre länger.

    Keines davon ist nach dem Bericht der Reaktorsicherheitskommission gegen Flugzeugabstürze gesichert.

    In jedem einzelnen kann jeden Tag die Kernschmelze eintreten.

  2. Sechs AKW sollen damit noch mehr als zehn Jahre – über drei Bundestagswahlen hinweg – am Netz bleiben.Damit ist der Ausstieg doch nicht unumkehrbar, sondern das öffnet Tür und Tor für eine spätere Revision der jetzigen Beschlüsse.
  3. Die Kanzlerin hat auf ihrer Pressekonferenz nach dem Gespräch mit denMinisterpräsidentInnen erklärt, dass sie an der Regellaufzeit von 32 Jahren festhalten will.
  4. Die Senkung der Sicherheitsstandards in der Atomgesetznovelle wird nichtzurückgenommen. Eine Verbesserung des Sicherheitsstandards durch die Übernahme des neuen „Kerntechnischen Regelwerks“ wird nach wie vor nicht verwirklicht.

Die Augenwischerei mit dem „Ende“-Datum

Der rot-grüne Deal mit der Atommafia hatte uns im Jahr 2000 schon mal das Jahr 2023 als Ende der Atomkraft in Deutschland versprochen.

Und jetzt? nach Fukushima?

Zynischerweise bleibt es auch jetzt bei dem gleichen Zeithorizont.

Wenn wir die Herrschenden ungestört weitermachen lassen, werden sie mind. bis 2022 Atomkraftwerke betreiben. Und wenn für dieses Pack die Lage günstig ist, werden sie putsch-artig diesen Termin auch „wohlbegründet“ nach hinten verschieben!

Welche Wirkungen hat der heute Regierungsbeschluss auf uns?

Die beschwichtigungs-Taktik der Herrschenden & der Atom-Maffia trägt leider Früchte. Wir sehen, dass die Bevölkerung der Regierung den „guten Willen“ glaubt. Die Teilnehmerzahlen bei den Anti-Atom-Aktionen sinken.

Innerhalb der Anti-Atombewegung gibt es Spaltungstendenzen zwischen denen,

  • denen das Erreichte genug ist
  • die wieder zurück zu „ihre energiepolitischen Spezialthemen“ gehen wollen.
  • Und den Anti-AKW-lerInnen, die „trotzdem“ auf der Straße mit aktivem Widerstand und Blockaden weitermachen werden.

Die Anti-Atombewegung in Deutschland war und ist SO erfolgreich, WEIL sich die verschiedenen Aktionsformen gegenseitig respektiert und unterstützt haben. Es waren

  • nicht nur die Menschen mit dem besseren Energiekonzepten,
  • nicht nur die bei friedlichen Aktionen,
  • nicht nur die Menschen bei den direkten Aktionen und Blockaden
  • sondern der ZUSAMMENSCHLUSS dieser Menschen!

Wie geht es weiter ?

Die Auseinandersetzung um die Atomenergie wird weitergehen, alleine schon deshalb, weil die großen Stromkonzerne in den nächsten Jahren alles dafür tun werden, dass ihre Gelddruckmaschinen noch länger in Betrieb bleiben können.

Weil die Risiken bis 2022 nicht kleiner, sondern im Gegenteil in den alternden Anlagen immer größer werden, werden wir wohl weiter auf der Straße gegen den Weiterbetrieb der AKW demonstrieren müssen.

Ich glaube, dass wir, die hier zusammen sind,
dabei auf der richtigen Seite stehen werden!

Die aktuelle Form von „Kundgebungen wie heute“, die von einem breiten Bündnis getragen werden, mögen ihrem Ende zugehen. Informiert Euch trotzdem über die Fortsetzung der Kämpfe.

Wenn es keine Kundgebungen geben wird, so werden einige Anti-Atomkraft-Gruppen doch weiterhin kleiner Aktionen machen:

  • vom „KaffeeTrinken gegen Atomkraft“, Montags hier auf dem Elisenbrunnen zur gleichen Zeit
  • bis zum Sommercamp von StopWestCator in Glimbach am 23.& 24.Juli.

Also:

Der Kampf gegen AKWs ist noch nicht zu Ende. Es laufen noch NEUN dieser TodesReaktoren!

Machen wir weiter bis zum endgültigen Abschalten ALLER AKWs in Deutschland.

Vielen Dank

Rede AKW-Nee am 6.6.11 in Aachen, Walter Schumacher

siehe auch Artikel „Sekt oder Selters?“ von von Jochen Stay vom 31. Mai 2011 bei .ausgestrahlt mehr…

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