STAWAG hat Ökostrom, Rolf Krüger

Die STAWAG hat Ökostrom. Sicher haben viele von Ihnen in den letzten Wochen Post bekommen:

  • Strom-STA ÖkoPlus ohne Mehrpreis statt Strom-STA Plus. Die STAWAG will dieses Angebot 73.000 Haushaltkunden machen. Diese verbrauchen knapp die Hälfte des Haushaltstroms in Aachen. Für den Rest der Haushalte, die STARAktiv- Kunden, beträgt der Mehrpreis 3 bis 4%.

Wie soll das gehen:

  • Zunächst kommt der Strom aus Wasserkraftwerken in Norwegen, über Umetikettierung mit Herkunftsnachweisen, sogenannten RECS-Zertifikaten. Kann man drüber streiten, ob man das als sauberen Ökostrom bezeichnen kann.
  • Bis 2013 will die STAWAG aber diese Strommenge komplett in eigenen Anlagen erzeugen.. Etwa ¼ davon gibt es bereits: Windkraftanlage in Vetschau, 2 Biogasanlagen, einige Solaranlagen. Bis 2013 soll dann der Rest fertig sein, Windkraftanlagen im Windpark AlphaVentus vor Borkum, im Hunsrück und hier.

Aber schauen wir mal genauer hin und gucken wir nach den 7 Punkten, die wir von empfehlenswerten Ökostromanbietern erwarten:

  • Verflechtung zur Atomwirtschaft: Nein, ist uns nicht bekannt. 1 Punkt
  • Beteiligung an Projekten zum Bau neuer Kohlekraftwerke:

    Nein, aus dem Projekt in Krefeld sind sie gerade geflüchtet, möglicherweise durch Druck der Bürger. Glück gehabt, 1 Punkt.

  • Handel mit Atomstrom: Ja. Die STAWAG hat noch ca. 20% in ihrem Gesamtangebot. Immerhin haben sie uns versichert, dass der Ökostromverkauf und ihr Zubau an Anlagen den Anteil am Atomstrom im Restangebot nicht erhöhen soll. Sie wollen also keinen Strom hin und herschieben und den Atomstromanteil in ihrem Angebot entsprechend ihrem Engagement reduzieren. Also keine Mogelei durch Umschichtung. Trotzdem, Atomstrom. Kein Punkt.
  • Investieren sie in Erneuerbare Energie und KWK?

    Ja, das tut die STAWAG. Was Sie vorhaben und schon gemacht hat, kostet grob um die 100 Mio. €. Das ist selbst für ein Unternehmen wie die STAWAG eine Menge Geld. Das ist wirklich keine Augenwischerei mehr. 1 Punkt.

  • Ist die Herkunft des erneuerbaren Stroms transparent? Ich würde sagen, ab 2013 auf jeden Fall, dann erzeugen sie die Menge in eigenen Anlagen. Also im Vertrauen:1 Punkt.
  • Verwenden sie Zertifikate zur Umetikettierung von Strom wie RECS:

    Ja, zumindest in der Umstellungsphase für die norwegische Wasserkraft, wahrscheinlich auch danach. Unklar.

  • Ist ihr Angebot von einem transparenten Label überwacht und zertifiziert?

    Ja, OkPower. Neben GrünerStromLabel das 2. Ökostromlabel mit einem guten Ruf, z.B. durch die Anforderung, dass mindestens 1/3 des Strom aus Anlagen kommt, die jünger als 6 Jahre sind und durch Umweltstandards für Anlagenbetreiber.1 Punkt.

Schon nicht schlecht, 5 von 7 Punkten. Aber auch 2013 kommen nach den bisherigen Planungen erstca. 20% des von der STAWAG verkauften Stroms aus eigenen, regenerativen Anlagen. Das meiste vom Rest wird immer noch fossil oder mit Atomkraft erzeugt. Stellt sich die Frage, wie geht es weiter? Gibt es bei der STAWAG Pläne, auch nach 2013 den Weg konsequent fortzusetzen und weitere Anlagen zu bauen? Wind Sonne, und, und…

Ich persönlich komme noch nicht zurück zur STAWAG. Auf keinen Fall, solange die STAWAG Atomstrom verkauft. Wenn sie damit aufhören, werde ich drüber nachdenken.

Meine Meinung ist: Die STAWAG ist auf einem guten Weg. Und ich hoffe, sie geht ihn auch weiter, beteiligt sich mit weiteren Investitionen an der Energiewende. Vielleicht hat Sie auch Lust, einen kleinen Leuchtturm hier zu errichten. Investitionen in regionale Speicher, intelligentes Netz, wirkungsvolle Projekte zum Sparen und zur Energieeffizienz. Modellregion für weitgehende, auch regional funktionierende Versorgung mit erneuerbaren Energien. Denn da ist viel zu tun, wenn Deutschland erneuert werden soll. Leider ist es noch nicht soweit, aber ich finde, es gibt Hoffnung. Begleiten wir die STAWAG kritisch und aufmerksam auf ihrem Weg, der hoffentlich mal dazu führt, dass wir Aachener auf die STAWAG stolz sein können.

Rolf Krueger, Nachbarschaftsinitiative Drei Rosen, 30. Mai 2011

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